Acrylbiegemaschine
Kurzanleitung für Plexiglas / Acrylglas und PVC
Heizdraht-Biegegerät mit Wasserkühlung, Abstandsskala und Winkelmesser. Die Maschine erwärmt die Platte nur auf einer schmalen Linie über der Heizspindel. Dort wird das Material weich und lässt sich an den Biegewinkel anlegen – der Rest der Platte bleibt formstabil.
Die drei wichtigsten Regeln
- Temperaturregler zwischen den Biegungen zurückdrehen bzw. abstellen – sonst heizen sich Gerät und Kühlwasser zu schnell auf.
- Kühlwasser zwischendurch wechseln, damit es 50 °C nicht überschreitet. Darüber schaltet die Heizung ab.
- Beim Biegen die Platte nach unten UND in Richtung Anschlag drücken – nur so wird die Kante gerade und maßhaltig.
Nutzung nur nach Einweisung
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Material | Acrylglas (PMMA) |
| Materialdicke | 1–6 mm |
| Breite des Heizschlitzes | 8 mm |
| Spannung | 220 V (Netzteil mit Warnaufkleber) |
| Kühlung | Wasserkühlung mit Tauchpumpe in Wanne / Eimer (nicht dabei, muss extra geholt werden – je größer, desto besser) |
| Sicherheitsabschaltung | ab ca. 50 °C (± 5 °C) Gehäusetemperatur schaltet die Heizung ab, die Kühlung läuft weiter |
| Einstellhilfen | Abstandsskala mit Anschlag, Anschlagreiter mit Feinskala, Winkelmesser |
| Besonderheit dieser Maschine | Original-Nutsteine der Abstandsskala fehlen; ersatzweise 3D-gedruckte Nutsteine, nur handfest anziehen |
1 Geräteübersicht
Gesamtaufbau am Arbeitsplatz
- Maschinenkörper mit Heizschlitz – darin liegt die Heizspindel; hier entsteht die Biegelinie.
- Biegewinkel (weißes Alu-Winkelprofil) – Gegenform, an die die erwärmte Platte gedrückt wird.
- Abstandsskala mit Anschlag – bestimmt den Abstand von der Plattenkante bis zur Biegelinie.
- Steuereinheit mit Temperaturregler und Winkelmesser daneben. Die Skala des Temperaturreglers passt nicht ganz: links wenig Temperatur, nach rechts hohe Temperatur.
- Netzteil / Trafo 220 V mit dem roten Aufkleber „Nur nach Einweisung nutzen!“.
- Kühlwasserschläuche (Vor- und Rücklauf) zur Wanne.
- Wanne mit Kühlwasser und Tauchpumpe.
2 Bedienelemente
Steuerseite der Maschine
- Heizschlitz mit Heizspindel (Heizdraht), 8 mm breit.
- Temperaturregler (Heizleistung) – zwischen den Biegungen zurückdrehen oder abstellen.
- Netzteil 220 V mit Warnaufkleber – Hauptzuleitung.
- Anschlüsse der Wasserkühlung, Schläuche zur Wanne.
- Winkelmesser / Gradskala zum Einstellen und Kontrollieren des Biegewinkels.
- Klemmknopf des Abstandsanschlags auf der Maßschiene.
3 Heizschlitz, Anschlag und Maßeinstellung
Heizschlitz mit Heizspindel und Anschlagreiter
- Heizspindel im Schlitz – glüht im Betrieb und bleibt nach dem Ausschalten minutenlang heiß.
- Anschlagreiter mit Feinskala und Rändelschraube zum Fixieren (3D-gedruckter Nutstein).
- Sternschraube: Klemmung des Abstandsanschlags in der T-Nut. Der Anschlag sollte parallel eingestellt werden (gleiches Maß rechts und links).
Abstandsskala von oben
- Maßschiene mit cm-Skala für den Abstand Plattenkante – Biegelinie.
- Sternschraube – nur handfest anziehen.
- Feinskala des Anschlagreiters.
- Heizspindel: Die Biegelinie liegt genau über der Spindelmitte. Skalenwert einmal am Reststück prüfen und die Differenz notieren.
4 Wasserkühlung
Wanne mit Tauchpumpe
- Tauchpumpe – muss vollständig im Wasser liegen und läuft immer, bevor und während geheizt wird.
- Kühlwasser – kühl und frisch einfüllen, Temperatur im Auge behalten, maximal 50 °C.
- Vor- und Rücklaufschlauch zur Maschine – knickfrei verlegen. Beim Abbauen das Wasser aus Schläuchen und Pumpe in den Behälter entleeren.
Steigt die Gehäusetemperatur über etwa 50 °C, schaltet die Heizung selbst ab. Deshalb das Wasser zwischendurch wechseln und den Temperaturregler in den Pausen bzw. während des Biegens zurückdrehen.
5 Ablauf Schritt für Schritt
Schritt 1 — Kühlung starten
Wanne mit kühlem, frischem Wasser füllen. Die Tauchpumpe muss vollständig unter Wasser liegen.
Schläuche auf Knicke prüfen, dann die Pumpe einstecken. Die Kühlung läuft immer zuerst und während der ganzen Arbeitszeit.
Schritt 2 — Abstandsanschlag setzen
Nutstein schräg in die T-Nut einfädeln und ausrichten – bei den 3D-gedruckten Nutsteinen braucht das etwas Gefummel.
Sternschraube nur handfest anziehen. Anschließend prüfen, ob der Anschlag rechtwinklig steht und nicht verrutscht.
Schritt 3 — Maß einstellen
Abstand von der Plattenkante bis zur Biegelinie an der Maßschiene einstellen, bei Bedarf mit dem Anschlagreiter feinjustieren.
Die Skala auf die Mitte des 8-mm-Heizschlitzes beziehen. Das Maß einmal am Reststück kontrollieren und die Differenz für die Zukunft notieren.
Schritt 4 — Biegewinkel und Winkelmesser einstellen
Den Biegewinkel (weißes Winkelprofil) parallel zur Heizspindel ausrichten, er dient als Gegenform.
Am Winkelmesser den gewünschten Winkel einstellen bzw. kontrollieren. Für saubere 90° minimal über den Winkel hinaus biegen, weil Acryl beim Abkühlen zurückfedert. Beim Andrücken des Plexiglases nicht zu ungeduldig sein – lieber 30 s länger drücken bzw. warten, damit das Material abgekühlt ist und sich weniger verzieht.
Schritt 5 — Heizung einschalten – und zwischendurch abstellen
Heizung einschalten und den Regler passend zur Materialdicke einstellen (1–6 mm möglich), dann kurz vorheizen.
Wichtig: Den Regler zwischen den Biegungen zurückdrehen oder abstellen. Läuft die Heizung dauerhaft, werden Gerät und Kühlwasser zu schnell heiß und die Sicherheitsabschaltung greift mitten in der Arbeit.
Schritt 6 — Platte vorbereiten und einlegen
Gegebenenfalls die Schutzfolie vom Plexiglas abziehen, mindestens im Bereich der Biegelinie, besser komplett – eingebrannte Folie lässt sich nicht mehr entfernen.
Platte trocken und staubfrei auflegen, bündig gegen den Anschlag schieben und die Biegelinie mittig über der Heizspindel ausrichten.
Die Platte nur auflegen, nicht auf die Spindel drücken.
Schritt 7 — Erwärmen
Richtwert etwa 1–2 Minuten pro Millimeter Materialdicke. Den genauen Wert für Regler und Material einmal am Probestück ermitteln und in der Tabelle unter Eigene Richtwerte festhalten.
Die Zone ist bereit, wenn sie sich beim leichten Anheben weich und gummiartig gibt, ohne Widerstand. Manchmal ist es gut, das Material von beiden Seiten auf die Heizspindel zu legen, damit beide Seiten weich sind.
Während des Heizens an der Maschine bleiben, nichts Brennbares ablegen.
Schritt 8 — Biegen: nach unten und in Richtung Anschlag
Die erwärmte Platte gegen den Biegewinkel drücken – dabei gleichzeitig nach unten und in Richtung Anschlag.
Gleichmäßig drücken, nicht ruckartig. Nur so legt sich das Material sauber an die Winkelkante an und die Biegung bleibt gerade.
Etwa 30–60 Sekunden in Position halten, bis die Kante formstabil ist, dann die Platte liegend fertig abkühlen lassen. Lieber etwas mehr Geduld und länger warten, damit sich das Material am Ende weniger verzieht.
Schritt 9 — Abschließen
Heizung ausschalten, Pumpe noch einige Minuten nachlaufen lassen, dann Wasser ablassen.
Heizspindel und Aluschienen bleiben noch minutenlang heiß – nicht hineingreifen.
6 Der Biegevorgang in Bildern
Drücken: nach unten und zum Anschlag
- Glühende Heizspindel – die Biegelinie liegt mittig darüber.
- Erste Druckrichtung: nach unten auf den Biegewinkel.
- Zweite Druckrichtung: gleichzeitig in Richtung Anschlag, damit die Platte nicht wegwandert und die Kante gerade bleibt.
Ergebnis: fertige Kante
- Fertige Biegekante – scharf und blasenfrei, wenn Heizzeit und Druck stimmen.
- Abgebogener Schenkel – bis zum Erkalten in Position halten, sonst federt der Winkel zurück.
- Biegewinkel als Gegenform.
7 Eigene Richtwerte (tbd)
Reglerstellung und Heizzeit hängen von Material, Dicke und Raumtemperatur ab und müssen am Probestück ermittelt werden. Bewährte Werte hier eintragen, dann muss niemand zweimal suchen.
| Dicke | Material | Reglerstellung | Heizzeit | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| 2 mm | ||||
| 3 mm | ||||
| 4 mm | ||||
| 5 mm | ||||
| 6 mm | ||||
8 Fehlerbilder und Abhilfe
| Fehlerbild | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Weiße Streifen, feine Risse an der Kante | zu kalt gebogen, Heizzeit zu kurz | länger erwärmen oder Reglerstellung erhöhen |
| Blasen, matte Stellen, wellige Fläche | zu heiß oder zu lange erwärmt | Heizzeit verkürzen, Regler zurückdrehen |
| Kante unsauber oder verzogen | zu schnell bzw. ruckartig gebogen | gleichmäßig drücken: nach unten und zum Anschlag |
| Biegelinie nicht parallel zur Plattenkante | Anschlag verrutscht, Nutstein zu locker | Anschlag prüfen, handfest klemmen, Platte bündig anlegen |
| Maß stimmt nicht | Skala bezieht sich auf die Spindelmitte | Differenz am Reststück ermitteln und einrechnen |
| Winkel federt zurück | zu früh entnommen oder nicht überbogen | etwas überbiegen und länger in Position halten |
| Heizung schaltet plötzlich ab | Gehäuse- bzw. Wassertemperatur über ca. 50 °C | Wasser wechseln, abkühlen lassen, Regler in Pausen abstellen |
| Folienreste eingebrannt | Schutzfolie nicht abgezogen | Folie vor dem Erwärmen entfernen |
9 Sicherheit und Hinweise
- Nur nach Einweisung benutzen
- Heizspindel und Aluschienen werden sehr heiß und bleiben es nach dem Ausschalten minutenlang – nicht hineingreifen.
- Maschine im Betrieb nicht unbeaufsichtigt lassen, nichts Brennbares auf oder neben der Maschine ablegen.
PVC nur bei guter Lüftung biegen, die Dämpfe sind reizend.
10 Unterweisende Personen
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